Rolle und Aufgabe
Wer ist der Agent, für wen arbeitet er, welchen Vorgang bearbeitet er? Eine Rolle, nicht fünf.
Glossar
Die Systemanweisung ist der Text, den ein Agent bei jeder Anfrage zuerst liest. Sie enthält die Dinge, die immer gelten: Rolle, Ton, Grenzen und Übergabe.
Kurz gesagtEine Systemanweisung ist der gleichbleibende Teil der Eingabe an ein Sprachmodell. Sie beschreibt Rolle, Aufgabe, Regeln und Übergabebedingungen des Agenten. Kunden sehen sie nicht, sie bestimmt aber jede Antwort. Sie ist ein Steuerungsmittel, keine Sicherung.
Jede Anfrage an ein Sprachmodell besteht aus mehreren Schichten. Die oberste, unsichtbare Schicht ist die Systemanweisung. Sie sagt dem Modell, in welcher Rolle es arbeitet („Du bist der Service-Assistent von …“), wie es auftritt (Ton, Anrede, Länge), welche Quellen gelten und was es nie tun darf. Darunter liegen der Prompt der Person und die gefundenen Textstellen.
Man kann sie mit der Arbeitsplatzbeschreibung einer neuen Kraft vergleichen. Sie ersetzt keine Einarbeitung und keine Kontrolle, schafft aber einen gemeinsamen Rahmen, den jede Anfrage teilt. Ändert sich eine Regel im Betrieb, wird sie an einer Stelle geändert, nicht in hundert Einzelanweisungen.
Weil die Systemanweisung die Haltung des Agenten prägt, gehört sie zu den wichtigsten Dokumenten eines Projekts. Sie sollte von der Geschäftsführung gelesen und freigegeben werden.
Zur Einordnung ein Beleg: Die Anleitung von Anthropic zum Prompting nennt als Beispiel, dass eine Rolle in der Systemanweisung (englisch: system prompt) Verhalten und Tonfall des Modells für den jeweiligen Einsatz ausrichtet (Quelle: Anthropic: Prompting best practices, abgerufen am 22. Oktober 2026).
Wer ist der Agent, für wen arbeitet er, welchen Vorgang bearbeitet er? Eine Rolle, nicht fünf.
Aus welchen Unterlagen darf er Fakten nehmen? Wo endet seine Zuständigkeit?
Keine Preise, Rabatte, Haftungsaussagen, Diagnosen, Rechtsauskünfte und keine Zusagen ohne Freigabe.
Wann und wie gibt er an einen Menschen ab, und was schreibt er dazu?
Sie-Form, Länge, Stil, Sprache. Dazu ein Beispiel.
Wenn die Unterlagen nichts hergeben, sagt er das und fragt nach oder übergibt.
Fiktives Beispiel, kein Kundenfall.
Ein Händler für Fahrradzubehör formuliert unter anderem: „Du beantwortest Fragen zu Bestellstatus und Versand. Nutze nur die mitgelieferten Versanddaten und die Rückgabebedingungen. Nenne keine Erstattungsbeträge und mache keine Zusagen zu Kulanz. Bei Beschwerden, Schäden oder Unsicherheit schreibst du keinen Lösungsvorschlag, sondern markierst den Vorgang für das Team und fasst den Fall in zwei Sätzen zusammen. Du schreibst höflich in der Sie-Form.“
Der Auszug ist knapp und enthält die vier wichtigsten Dinge: Aufgabe, Quelle, Verbot und Übergabe. Alles Weitere, etwa Lieferzeiten einzelner Artikel, steht in der Wissensbasis.
Im Alltag zeigt sich der Wert an den Rändern: Fragt jemand etwas, das nicht zur Aufgabe gehört, sorgt die Anweisung dafür, dass der Agent höflich ablehnt oder übergibt, statt zu improvisieren. Diese Randfälle gehören deshalb in die Testfälle.
| Baustein | Wer pflegt ihn? | Wie oft ändert er sich? |
|---|---|---|
| Systemanweisung | Projektverantwortliche mit uns | Selten, bei Regeländerungen |
| Prompt | Person oder System je Aufgabe | Bei jeder Anfrage |
| Wissensbasis | Fachabteilung | Laufend, mit den Fakten |
| Technische Rechte | Wir mit Ihrer IT | Bei Systemänderungen |
Wichtig ist die Trennung zwischen Anweisung und Recht. Was ein Agent nicht darf, sollte nicht nur in der Anweisung stehen, sondern auch technisch gesperrt sein. Wer keine Schreibrechte hat, kann auch bei einer missverstandenen Anweisung nichts verändern.
Eine gute Faustregel: Jede Zeile der Systemanweisung sollte sich durch einen Testfall belegen lassen. Gibt es keinen, ist die Zeile vermutlich überflüssig oder zu vage.
Streichen Sie deshalb, was sich nicht durch einen Testfall belegen lässt, und halten Sie die Anweisung kurz. Eine schlanke Anweisung lässt sich besser pflegen und überprüfen.
Dieses Vorgehen verbindet sich mit der Stichprobenprüfung und der Eskalationsregel. Unsere Arbeitsweise und die Transparenz gegenüber Kunden beschreiben wir unter KI-Transparenz.
Der erste Entwurf entsteht schnell. Aufwendig ist das Abstimmen der Regeln im Team: Was darf der Agent sagen, wann übergibt er? Dieses Gespräch ist der eigentliche Gewinn, weil es Absprachen sichtbar macht, die bisher unausgesprochen galten.
Technisch ja, fachlich selten sinnvoll. Jeder Agent hat eine eigene Aufgabe, eigene Quellen und eigene Grenzen. Gemeinsame Regeln, etwa zum Ton, lassen sich in einem Baustein teilen und je Agent ergänzen.
Nein, im Normalfall nicht. Sie lässt sich aber durch gezielte Fragen teilweise erschließen. Schreiben Sie deshalb nichts hinein, was nicht öffentlich werden dürfte.
Eine Person mit Verantwortung für den Vorgang, bei sensiblen Bereichen die Geschäftsführung. Sie legt fest, was der Agent sagen und tun darf.
Ja, sie ist Text. Wir testen jede Änderung gegen feste Beispielfälle und halten Datum und Grund fest.
Nein. Sie steuert das Verhalten, schützt aber nicht verbindlich. Dazu braucht es Rechte, Freigaben, Protokolle und Stichproben.
Die Systemanweisung gilt für jede Anfrage und beschreibt den Rahmen. Der Prompt ist die einzelne Aufgabe. Wer beides trennt, kann Rahmen und Aufgabe getrennt pflegen und testen.
Autor: Melvin Mümken, Gründer & Technischer Leiter. Stand: 22.10.2026. Die Hinweise sind ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung.