Glossar

KI-Agent:
ein System, das Aufgaben ausführt.

Ein KI-Agent verfolgt ein Ziel und nutzt dafür Werkzeuge: Er liest, schlägt nach, schreibt Entwürfe und stößt Schritte an. Was er darf, legen Sie vorher fest.

Kurz gesagtEin KI-Agent ist ein System auf Basis eines Sprachmodells, das eine Aufgabe in mehreren Schritten bearbeitet und dabei auf Werkzeuge und Daten zugreift, etwa Postfach, Shop oder Kalender. Heikle Schritte gibt ein Mensch frei.

Definition: Was macht einen Agenten aus?

Ein Sprachmodell allein beantwortet eine Frage und ist dann fertig. Ein Agent baut darauf auf und ergänzt vier Fähigkeiten. Er hat ein Ziel („Bearbeite die Reklamation bis zur Entscheidungsvorlage“), er kann Werkzeuge aufrufen (Datenbank abfragen, Dokument anlegen, Kalender prüfen), er plant Teilschritte und er bewertet Zwischenergebnisse, bevor er weitermacht.

Technisch ist das eine Schleife: Aufgabe verstehen, nächsten Schritt wählen, Werkzeug nutzen, Ergebnis prüfen, wiederholen oder übergeben. Der Begriff Tool-Aufruf beschreibt, wie der Agent ein Werkzeug anspricht. Wo diese Schleife enden darf, bestimmen Regeln: wie viele Schritte, welche Systeme, welche Fälle sofort an Menschen gehen.

Im Mittelstand ist ein Agent in der Regel ein eng zugeschnittener digitaler Mitarbeiter für einen Vorgang, etwa die Bearbeitung eingehender Anfragen, und kein freischwebender Roboter. Mehr dazu unter Digitaler Mitarbeiter.

Wie viel Spielraum ein Agent hat, legt die Einrichtung fest; die Technik gibt es nicht vor. Dieselbe Grundlage kann ein System tragen, das nur Entwürfe schreibt, und eines, das nach Freigabe Aktionen in einem Fachsystem auslöst. Fragen Sie bei jedem Angebot deshalb nach den konkreten Rechten: Was darf der Agent lesen, was schreiben, und wo endet seine Zuständigkeit?

Beispiel (Retourenanfrage im Onlineshop)

Fiktives Beispiel, kein Kundenfall.

  1. LesenDer Agent erkennt in einer Kundenmail den Wunsch, einen Artikel zurückzusenden, und zieht die Bestellnummer heraus.
  2. NachschlagenEr fragt das Shopsystem ab: Wann wurde bestellt, was wurde geliefert, ist der Artikel retourenfähig?
  3. VorbereitenEr entwirft die Antwort mit Rücksendehinweisen und legt den Vorgang als Entwurf an.
  4. ÜbergebenWeicht der Fall vom Normalfall ab, etwa bei beschädigter Ware, legt er ihn mit Zusammenfassung dem Team vor. Die Erstattung gibt ein Mensch frei.

Abgrenzung zu Chatbot, Assistent und Automatisierung

BegriffArbeitsweiseHandlungsspielraum
ChatbotFührt ein Gespräch, antwortet aus Regeln oder WissensbasisGering, im Kern Auskunft
KI-AssistentHilft einer Person auf ZurufMittel, die Person steuert jeden Schritt
KI-AgentArbeitet eine Aufgabe in Schritten selbst abHöher, aber begrenzt durch Rechte und Freigaben
RPAKlickt feste Abläufe nachHoch bei festen Abläufen, null bei Abweichungen

Die Grenze verläuft fließend, deshalb zählt die Praxisfrage: Wer entscheidet über den nächsten Schritt, das System oder eine Person? Beim Agenten wählt das System den Schritt innerhalb der erlaubten Möglichkeiten. Der Vergleich in der Tiefe steht im Beitrag KI-Agent oder Chatbot.

Was ein Agent nie allein entscheidet

  • Preise, Rabatte und Kulanz
  • Haftungsfragen und Zusagen mit rechtlicher Wirkung
  • Diagnosen oder fachliche Bewertungen, etwa medizinisch oder steuerlich
  • Erstattungen, Kündigungen und Ablehnungen gegenüber Personen
  • Alles, was Sie für Ihren Betrieb als heikel eingestuft haben

Hintergrund ist auch das Recht: Betroffene dürfen grundsätzlich nicht einer ausschließlich automatisierten Entscheidung unterworfen werden, die ihnen gegenüber rechtliche Wirkung entfaltet oder sie ähnlich erheblich beeinträchtigt (Art. 22 DSGVO). Siehe Automatisierte Entscheidung.

Praktisch heißt das: Erstattungen, Kündigungen, Ablehnungen und Preisentscheidungen liegen bei Menschen. Zur Vorbereitung stellt er Fall, Unterlagen und einen Vorschlag zusammen und übergibt dann. Die Grenzen schreiben Sie vor dem Start auf eine Seite, damit alle im Team dieselbe Vorstellung davon haben.

Risiken und wie man sie begrenzt

Mit der Handlungsfähigkeit wächst die Fehlerwirkung. Ein falscher Satz in einem Entwurf lässt sich vor dem Versand korrigieren, ein falsch angelegter Datensatz fällt erst später auf. Gegenmittel sind enge Rechte (nur lesen, wo Schreiben nicht nötig ist), Protokolle, Stichproben und eine einfache Möglichkeit, den Agenten zu stoppen. Das BSI beschreibt neben den Chancen neuartige Sicherheitsrisiken generativer Modelle und mögliche Gegenmaßnahmen.

Dazu kommt die Pflicht zur Transparenz: Schreibt ein Agent direkt mit Ihren Kunden, muss darauf hingewiesen werden, dass es ein KI-System ist, sofern das nicht offensichtlich ist (Art. 50 Abs. 1 KI-Verordnung).

Zu den Risiken gehört auch der schleichende Fehler: Eine veraltete Unterlage führt dazu, dass der Agent etwas Falsches korrekt formuliert. Dagegen helfen eine benannte Person für die Pflege der Unterlagen, Stichproben und ein Protokoll, an dem Sie nachvollziehen, woher eine Antwort stammt.

Wie ein Agent in der Praxis gestartet wird

Wer mit einem Agenten beginnt, tut gut daran, klein anzufangen und die Verantwortung sichtbar zu halten.

  1. Vorgang wählen. Ein Ablauf, der regelmäßig vorkommt, damit sich die Mühe lohnt, und der sich in wenigen Sätzen beschreiben lässt.
  2. Datenquellen benennen. Aus welchen Systemen darf der Agent lesen, wohin darf er schreiben?
  3. Freigaben festlegen. Welche Schritte erledigt der Agent allein, welche liegen bei Menschen?
  4. Testen an echten Fällen. Zuerst arbeitet der Agent im Vorschlagsmodus. Ihr Team vergleicht seine Entwürfe mit der eigenen Lösung.
  5. Ausweiten. Erst wenn Stichproben überzeugen, bekommt der Agent mehr Spielraum.

Diese Reihenfolge schützt vor einem naheliegenden Fehler, nämlich einem zu großen ersten Schritt. Ein Agent, der alles können soll, ist schwer zu prüfen. Ein Agent für einen Vorgang lässt sich in wenigen Tagen beurteilen. Mehr dazu unter Pilot.

Unsere Leistung dazu

Wir entwickeln Agenten für einzelne Vorgänge und richten Freigaben, Übergaben und Protokolle mit ein. Einstieg ist der Wissens-Agent ab 1.000 € Setup und ab 100 € im Monat. Details unter KI-Agenten entwickeln. Wo Agenten in Ihrer Branche ansetzen, zeigen die Branchenseiten.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich ein KI-Agent von einem Chatbot?

Ein Chatbot führt Gespräche und gibt Auskunft. Ein Agent arbeitet zusätzlich in Ihren Systemen: Er schlägt Daten nach, bereitet Vorgänge vor und übergibt Sonderfälle an Menschen.

Kann ein Agent selbstständig Mails versenden?

Technisch ja, in unserem Vorgehen nur dort, wo Sie es ausdrücklich erlauben. Der Normalfall ist ein Entwurf mit Freigabe durch einen Menschen.

Was braucht ein Agent, um zu starten?

Eine klar umrissene Aufgabe, Zugriff auf die dafür nötigen Daten, eine Wissensbasis mit aktuellen Regeln und die Festlegung, wer freigibt. Auf Wunsch besprechen wir das im Erstgespräch.

Muss ich Kunden sagen, dass ein Agent antwortet?

Wenn das System direkt mit Personen interagiert, besteht grundsätzlich eine Hinweispflicht, außer es ist aus den Umständen offensichtlich (Art. 50 Abs. 1 KI-Verordnung). Die Pflicht trifft zunächst den Anbieter des Systems.

Wie lange dauert es, bis ein Agent einsatzbereit ist?

Das hängt vom Vorgang ab. Für einen einzelnen Agenten mit klar umrissener Aufgabe planen wir mit rund zwei Wochen bis zum Livegang, bei mehreren vernetzten Agenten mit tiefer Anbindung mit drei bis vier. Das ist ein Richtwert, der vom Einzelfall abweicht. Danach folgt der Testbetrieb mit Ihren Freigaben.

Quellen und rechtlicher Rahmen

Die Zusammenfassungen sind sinngemäß; maßgeblich sind die verlinkten Originaltexte. Das ist ein allgemeiner Überblick zu Ihrem Umfeld, keine Rechtsberatung und keine Aussage zu Ihrem Einzelfall.

Autor: Melvin Mümken, Gründer & Technischer Leiter. Stand: 22.10.2026. Die Hinweise sind ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung.

Welcher Prozess kostet Sie am meisten Zeit?

Im kostenlosen Erstgespräch sagen wir ehrlich, ob sich Automatisierung für Sie lohnt. Preis und Umfang legen wir danach gemeinsam fest.

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