Qualität der Unterlagen
Fehlen Informationen in der Wissensbasis, bleibt die erste Antwort unvollständig. Siehe Wissensbasis-Pflege.
Glossar
Wenn Kundschaft dreimal nachfragen muss, ist der Fall zwar irgendwann erledigt, aber nicht gut. Die Erstlösungsquote macht sichtbar, wie oft es gleich beim ersten Mal gelingt.
Kurz gesagtDie Erstlösungsquote (englisch First Contact Resolution) ist der Anteil der Anfragen, die beim ersten Kontakt abschließend gelöst werden, ohne Rückfragen oder erneute Meldung. Sie wird durch Division gelöster Erstkontakte durch alle Anfragen berechnet. Die Definition von „gelöst“ legen Sie fest.
Die Kennzahl beantwortet eine einfache Frage: Bei wie vielen Anfragen war nach der ersten Antwort Schluss? Gemeint ist nicht Schnelligkeit, sondern Vollständigkeit. Eine rasche Antwort, die zur Rückfrage führt, zählt nicht als gelöst. Eine etwas spätere Antwort, die alles klärt, schon.
Berechnet wird sie als Anteil: gelöste Erstkontakte geteilt durch alle Erstkontakte im Zeitraum. Der Knackpunkt liegt in der Definition von „gelöst“. Gilt ein Fall als gelöst, wenn die Kundin sich nicht mehr meldet? Wenn sie es bestätigt? Wenn kein Ticket innerhalb einer Frist wieder geöffnet wird? Jede Festlegung ist vertretbar, sie muss nur einheitlich angewandt werden, sonst lassen sich Zeiträume nicht vergleichen.
Die Quote ist nützlich als Richtungsgröße. Sie zeigt, ob Antworten besser werden und ob die Wissensbasis ihren Zweck erfüllt. Als Vergleich mit anderen Betrieben eignet sie sich kaum, weil die Definitionen abweichen.
Entscheidend ist die Definition: Was als gelöst zählt, wer das festlegt und nach welchem Zeitraum ohne Rückfrage ein Fall als erstgelöst gilt. Schreiben Sie diese Festlegung auf, bevor Sie die ersten Zahlen erheben.
Zur Einordnung ein Beleg: Call Centre Helper beschreibt die Kennzahl als Anteil der Kundenanliegen, die im ersten Kontakt gelöst werden, mit der Formel gelöste Kontakte geteilt durch alle Kontakte mal 100, und warnt, dass die Datengewinnung die eigentliche Schwierigkeit ist, weil weder die Selbstmeldung der Beschäftigten noch das Zählen wiederholter Anrufe die Quote sauber abbildet (Quelle: Call Centre Helper: First Contact Resolution, 3.2.2020, abgerufen am 22. Oktober 2026).
Fiktives Beispiel, kein Kundenfall. Rechenbeispiel zur Erklärung der Formel, ohne Branchenangabe.
| Größe | Wert im Beispiel |
|---|---|
| Anfragen im Zeitraum | 200 |
| Davon nach erster Antwort ohne weitere Nachfrage erledigt | 150 |
| Erstlösungsquote | 150 geteilt durch 200 = 75 Prozent |
Die Zahlen sind erfunden und dienen nur der Veranschaulichung. Für Ihren Betrieb setzen Sie Ihre gemessenen Werte ein. Wichtig ist der gleiche Zeitraum und die gleiche Definition bei jeder Messung.
Fehlen Informationen in der Wissensbasis, bleibt die erste Antwort unvollständig. Siehe Wissensbasis-Pflege.
Fehlen Angaben, etwa Bestellnummer oder Foto, braucht es eine Rückfrage. Gute Formulare und Agenten, die gezielt nachfragen, verbessern das.
Wenn die erste Stelle nicht entscheiden darf, wird der Fall weitergereicht. Siehe Übergabe an Menschen.
Mehr komplizierte Fälle senken die Quote, ohne dass die Arbeit schlechter wird. Vergleichen Sie deshalb nach Fallart.
Ein Agent kann die Quote verbessern, indem er vor der Antwort fehlende Angaben erkennt und gezielt erfragt, aus der Wissensbasis vollständige Antworten mit Fundstelle bereitstellt und Fälle, die er nicht lösen darf, mit Zusammenfassung an die richtige Stelle gibt. Er kann sie auch verschlechtern, wenn er zu früh und unvollständig antwortet. Deshalb zählt die Quote nach Fallart und nach Antwortweg.
Achten Sie auf einen Fehlanreiz: Wer die Quote zum alleinigen Ziel macht, verleitet Beschäftigte dazu, Fälle vorschnell als gelöst abzuschließen. Kombinieren Sie sie mit einer Stichprobe, ob die Lösung wirklich trägt, siehe Stichprobenprüfung.
Ein Agent kann die Quote verbessern, indem er Antworten vollständig und mit passender Quelle liefert. Er kann sie verschlechtern, wenn er Fälle abschließt, die offen sind. Stichproben zeigen, welcher Fall vorliegt.
Mit diesen Schritten steigt die Quote nicht durch Tricks, sondern durch bessere Antworten. Sie lohnen sich auch ohne Agenten. Mit Agenten wirken sie stärker, weil der Agent die verbesserten Unterlagen bei jeder Anfrage nutzt.
Beginnen Sie mit den Fallarten, bei denen die Antworten ohnehin klar sind, und verbessern Sie dort zuerst die Wissensbasis. Der Effekt auf die Quote zeigt sich, wenn dieselben Fragen nicht mehr zurückkommen.
Setzen Sie die Quote deshalb immer neben andere Werte wie die Durchlaufzeit und die Zufriedenheit, wenn Sie diese erheben. Leistung: Support-Automatisierung.
Wenn der Zeitraum lang genug ist, um Zufallsschwankungen auszugleichen, und die Fallmischung ähnlich bleibt. Betrachten Sie mehrere Wochen und vergleichen Sie nach Fallart, bevor Sie Schlüsse ziehen.
Ja, wenn er Fälle als gelöst markiert, die nicht wirklich gelöst sind. Deshalb legen wir fest, dass nur Menschen oder klar definierte Rückmeldungen einen Fall abschließen, und prüfen Stichproben.
Dafür gibt es keinen allgemeingültigen Wert. Er hängt von Fallmischung und Definition ab. Vergleichen Sie Ihre Quote mit sich selbst über die Zeit.
Zählen Sie in einem Zeitraum alle Anfragen und markieren Sie, bei welchen nach der ersten Antwort keine Nachfrage kam. Ein Ticketsystem liefert die Zahl bequemer.
Pflegen Sie die Wissensbasis, fragen Sie fehlende Angaben gleich beim ersten Mal ab und stellen Sie sicher, dass die erste Stelle genug Befugnisse hat. Prüfen Sie Stichproben, ob die Lösung trägt.
Das legen Sie fest. Eine Möglichkeit ist, einen Fall als gelöst zu zählen, wenn die Kundin mit dem ersten Kontakt, ob Agent oder Mensch, vollständig bedient wurde. Wichtig ist die einheitliche Anwendung.
Die Quote misst, ob der Fall beim ersten Mal erledigt war. Zufriedenheit misst das Empfinden der Kundschaft. Beides kann auseinanderfallen: Eine erledigte, aber unfreundliche Antwort befriedigt weniger als eine freundliche, die noch eine Rückfrage braucht. Nutzen Sie beide Größen.
Autor: Melvin Mümken, Gründer & Technischer Leiter. Stand: 22.10.2026. Die Hinweise sind ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung.